Druckansicht Themen
Zukunftsthema: Chancengleichheit für Frauen
Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Berufsrückkehr zu angemessenen Bedingungen, kostenfreie, flexible Betreuungsangebote für Kinder sowie Förderung der Frauenfachberatungsstellen sind zentrale Forderungen der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Stormarn.
Frauen sind zunehmend berufstätig, oft zu niedrigsten Löhnen, in Teilzeit – nicht immer frei-willig –, befristet oder in Minijobs. Das Einkommen der Frauen wird immer wichtiger für die Familien, denn Männer arbeiten immer häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen und werden von Arbeitslosigkeit bedroht. Hinzu kommt die veränderte Lebenswirklichkeit. Nach einer Scheidung ist jeder Ehegatte – sofern keine Kinder zu betreuen sind – für seinen Unter-halt selbst verantwortlich. Zudem verdienen Frauen oft weniger als Männer und haben geringere Chancen, eine Führungsposition zu besetzen, sind aber immer häufiger die Familienernährerinnen.
Der berufliche Wiedereinstieg sowie Fortbildungsangebote für Berufsrückkehrerinnen haben einen hohen Stellenwert in der Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten. Die Infotage Wiedereinstieg in den Beruf, das Beratungsangebot von „Frau & Beruf Stormarn“, das im letzten Jahr mehr als 1000 Frauen nutzten, sowie Seminare für Berufsrückkehrerinnen werden von den Gleichstellungsbeauftragten gefördert oder verantwortlich durchgeführt.
Es gibt viele qualifizierte, gut ausgebildete Frauen, die auch mit ihren im Familienmanagement erworbenen Erfahrungen ein Gewinn für Firmen sein können. Der Arbeitsmarkt empfängt die Berufsrückkehrerinnen nicht mit offenen Armen. Eine gewisse Ausdauer ist vonnöten, um Erfolg bei der Stellensuche zu haben.
Ist eine berufliche Existenz aufgebaut gilt es die nächste Aufgabe zu lösen: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Noch immer sind es überwiegend Frauen, die diesen Spagat leisten müssen. Dies muss sich ändern! Die gleich zu verantwortende Teilnahme des Mannes an der Erziehungs- und Familienarbeit ist Voraussetzung für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Das Recht auf einen Krippen- bzw. Kindertagesstättenplatz mit flexiblen Öffnungszeiten, der schrittweise kostenfrei gestellt wird, ist eine unabdingbare Forderung.
Hier ist die Politik, sind die politischen Gremien gefragt. Der Ausbau der Kinderbetreuungsein-richtungen sowie der Ganztagsschulen gehört an die erste Stelle der Prioritätenliste. Bei der Wirtschaftsförderung sind Firmen bevorzugt zu unterstützen, die in ihrem Betrieb frauenfördernde Maßnahmen sowie flexible Arbeitszeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung bzw. Pflege von Angehörigen anbieten.
Das aktive und passive Wahlrecht für Frauen war eine zentrale Forderung der Frauenbewegung und mit dem Internationalen Frauentag eng verbunden. Gleichberechtigte Teilnahme an der Politik heißt auch, dass Frauen entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung in den politi-schen Gremien vertreten sind. Der Frauenanteil in der Kommunalpolitik ist steigerungsbedürf-tig. Von 1300 gewählten Mandatsträgern und bürgerlichen Mitgliedern sind lediglich 380 Frau-en. Die hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Stormarn fördern die Gründung eines kommunalpolitischen Frauennetzwerkes, um Frauen in der Kommunalpolitik bei der Durchsetzung ihrer politischen Arbeit zu unterstützen und das Interesse bei Frauen für die akti-ve politische Arbeit zu wecken. Ein höherer Frauenanteil in den politischen Gremien kann familien- und frauenspezifischen Anliegen mehr Gewicht geben.
Der Internationale Frauentag – vor 100 Jahren erstmals begangen – ist notwendig, um frauenpolitische Forderungen in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Gabriele Fricke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahrensburg